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Tibet / Himalaya

Cho Oyu Expedition (8201 m)

 

 Der Cho Oyu, direkt auf der nepalisch-tibetischen Grenze gelegen, ist der meistbestiegene 8000er. Gründe dafür gibt es genug: zum Einen ist er sehr günstig gelegen - bis zum unteren Basislager kann mit Jeeps gefahren werden, zum Zweiten ist sein so genannter Normalweg neben dem des Shisha Pangma sicher der am wenigsten schwierige aller 8000er. Einfache 8000er, wie es fälschlicherweise oft ausgedrückt wird, gibt es keine - so sind denn auch trotz der klaren, übersichtlichen Route auch hier einige technisch interessante Stellen zu meistern, die zusammen mit der Höhe sicher auch jedem gut trainierten und erfahrenen Höhenbergsteiger einiges abverlangen. Die Distanzen von Lager zu Lager sind nicht zu unterschätzen; und das persönliche Gepäck muss nach dem vorgeschobenen Basislager trotz Hochträger-Unterstützung für das Gruppengepäck selbst transportiert werden. Ein großes Unternehmen also auf der Route der österreichischen Erstbegeher aus dem Jahre 1954.



1. Bericht 06.09.2011

 

Liebe Daheimgebliebene!

Wie versprochen senden wir Euch nach Ankunft im Basislager unseren ersten Expeditionsbericht.

Gestern Mittag sind wir, 11 Tage nach Abflug von München, in unserem Basislager auf knapp 5.700 Meter Höhe angekommen. Damit sind wir nun höher als jeder Berg in Europa, einschließlich des umstrittenen Elbrus. In dieser Höhe oder höher am Berg werden wir die nächsten 28 Tage verbringen und auf gutes Wetter und Gesundheit hoffen, um eine Chance auf den Gipfel zu erhalten.

Bislang geht es allen von uns gut und wir haben nur die üblichen leichten Höhenprobleme wie schwierigen Schlaf oder leichten Druck im Kopf. Einzig Sara wird erst in zwei Tagen ins Basislager nachkommen, da sie noch einen leichten Infekt in Tingri auskuriert.

Unsere Anreise verlief sehr problemlos. Nach Ankunft und schneller Einreise verbrachten wir einen Tag in Kathmandu, den der Großteil von uns für eine erste Stadtbesichtigung nutzte und der Rest für letzte Expeditionsvorbereitungen. Am nächsten Tag ging es mit dem Bus über die chinesische Grenze nach Zhangmu (2.300 Meter). Eigentlich war die Grenze für uns problemlos, nur unsere Begleitmannschaft durfte aufgrund irgendwelcher Formalitäten erst einen Tag später nach Tibet einreisen. Zhangmu, eine chinesische Betonstadt die leider jeglichen tibetischen Scharm verloren hat, gehört nicht unbedingt zu den Traumplätzen der Welt und wir wollen alles daran setzen auf der Rückreise einen weiteren Stopp in diesem Dorf zu vermeiden.

            

Am nächsten Tag ging es inklusive Begleitmannschaft weiter nach Nyalam (3.750 Meter). Die Fahrt war kurz, so dass wir noch Zeit für einen ersten Akklimatisationsspaziergang bis auf 4.100 Meter hatten. Den darauf folgenden Tag sind wir bei einer längeren Tour sogar schon bis auf etwas über 5.000 Meter vorgestoßen.

Die Weiterfahrt führte uns nach Tingri (4.350 Meter). Von hier aus hätten wir bei klarem Wetter schon einen super Blick auf unser Ziel, den Cho Oyu gehabt. Leider lag dieser vollständig in den Wolken, aber ein völlig freier Mt. Everest konnte dafür schon in Ansätzen entschuldigen. Auch auf dem lokalen tibetischen Markt lies sich die Zeit vertreiben.

Weiter ging's am nächsten Tag ins CBC - Chinese Base Camp (4.900 Meter), wo wir zwei weitere Akklimatisationsnächte verbrachten. Auf dem Weg über die tibetische Hochebene passierten wir weitere kleine Dörfer, und konnten die dazugehörigen Klöster leider nur noch an ihren Grundmauern erkennen. Die Chinesen haben hier deutlich ihre Spuren hinterlassen. Als geplantes Programm im CBC gab es nur eine Einweisung in unsere Sicherheitsinstrumente, den Überdrucksack "Certec Bag" sowie die Notsauerstoffeinrichtungen.

Die beiden folgenden Tage zeichneten sich durch recht lange Touren aus, die uns in Höhen führten, für die wir noch nicht akklimatisiert waren. Zunächst ging es in ca. 11,5 Kilometer in 450 Höhenmetern und 3 Stunden ins Interims Camp nach Palung (5.370 Meter) und am nächsten Tag in ähnlicher Distanz und 4 1/2 Stunden hinauf ins Basislager (5.700 Meter), wo wir als eine der ersten Expeditionen unser Lager aufgeschlagen haben.Der Monsun ist hier noch deutlich zu spüren. Nach wunderbar sonnigen Vormittagen werden wir täglich gegen Abend von Regen oder Schneefall überrascht. Aber dies wird sich sicherlich noch bessern.

                                

Den morgigen Tag werden wir noch im Basislager verbringen, ein paar Dinge richten (Hochlagernahrung verteilen, persönliche Lastentransporte aufteilen etc. ) und uns weiter akklimatisieren. Übermorgen werden wir einen ersten Gang zum Hochlager 1 wagen und vielleicht die ersten Zelte aufstellen und ein kleines Depot anlegen. Wenn wir von dort zurück sind, melden wir uns wieder bei Euch. Herzliche Grüße an alle!

Für das Expeditionsteam,
Paul und Cord


2. Bericht 10.09.2011

 

Liebe AMICAL alpin Freunde,

vier Tage sind seit unserem letzten Expeditionsbericht vergangen.

Am 8. September sind wir vom Basislager bis zu unserem Lager 1 auf 6.400 Meter aufgestiegen, höher als der Chimborazo gelegen. Der Aufstieg zum Lager folgt für ca. 2 Stunden einer Moräne parallel zum Gletscher bevor es dann über den "Killerhang" recht steil zunächst über Geröll und später über Schnee hinauf zum Lagerplatz geht. Alle von uns (außer Sara, die leider noch in Tingri war) konnten das Lager erreichen und größere Probleme blieben aus.

                   

Unsere Sherpas waren vor uns da und hatten schon 4 Zelte aufgebaut, so dass wir bereits unsere ersten Vorräte und Ausrüstung dort deponieren konnten. Lediglich der Rückweg kam vielen von uns lang vor, da man über den Killerhang relativ schnell Höhe verliert und dann noch die Distanz auf etwa gleich bleibender Höhe zurück über die Moräne überwinden muss.

Gestern haben wir die Puja gefeiert. Die Puja ist ein religiöses Ritual, bei dem die Götter und der Berg einer Besteigung durch uns gnädig gestimmt werden. Auch unsere Ausrüstung konnten wir bei der Gelegenheit für die bevorstehende Besteigung weihen lassen. Oft wird dieses Ritual offiziell durch einen Lama durchgeführt, diesmal jedoch durch unseren Sirdar Chuldim. Begleitend zur Puja gab es jede Menge Gebäck, Popcorn, Chips und auch Cola oder Bier, das der Großteil von uns allerdings verschmäht hat.

 

                   

Heute Morgen haben wir für den bevorstehenden Aufstieg in Lager 2 nochmals den Aufstieg am Fixseil sowie das Abseilen als Trockenübung wiederholt. Kurz nachdem wir damit fertig waren, ist auch Sara wieder zu uns gestoßen, nachdem sie ein paar zusätzliche Ruhetage in Tingri und im Chinese Base Camp verbracht hat, um ihren Infekt auszukurieren. Sie fühlt sich gut und nimmt jetzt das normale Programm zur Akklimatisierung in Angriff.

Obwohl wir hier im Basislager noch jede Nacht eingeschneit werden, versuchen wir morgen erneut ins Lager 1 aufzusteigen und am darauf folgenden Tag den ersten Materialtransport ins Lager 2 zu machen. Die Chinesen, welche wir verpflichtend bezahlen müssen, um Fixseile am Berg zu verlegen sind nun auch unterwegs, so dass dem Weg ins Lager 2 außer uns selbst und dem Wetter nichts mehr im Weg stehen dürfte.

Wir melden uns wieder bei Euch, wenn wir vom Lager 2 zurück und bevor wir das nächste Mal am Berg unterwegs sind.

Übrigens gibt es auch weitere Videos und Bilder auf:

http://weblog.hochi.co.jp/takeuchi/ Das ist der Blog von Hero Takeuchi, japanischer Extrembergsteiger und guter Freund von Gerlinde und Ralf. Der Cho Oyu wäre sein 13. Achtausender.

Viele Grüße von allen!
Paul und Cord für das Cho Oyu Team

 



3. Bericht - 14.09.2011

 

Liebe AMICAL alpin Freunde,

es ist mal wieder Zeit für einen kurzen Bericht. Am 11. September sind wir erfolgreich in Lager 1 aufgestiegen und haben dort unsere erste Hochlagernacht auf 6.400 Metern verbracht. Die meiste Zeit waren wir mit Wasserkochen, Essen, Trinken und - soweit  möglich - mit Schlafen beschäftigt. Gerade für die Höhenanpassung ist es wichtig, extrem viel zu trinken und somit nimmt die Zeit fürs Schneeschmelzen in der Höhe einige Zeit in Anspruch. Am 12. September ist dann ein Teil von uns Richtung Lager 2 aufgestiegen.

 

               

Leider hatten die Chinesen doch noch keine Fixseile verlegt, weswegen wir nur mit leichtem Gepäck und nur bis zum unteren Ende der ersten Steilstufe aufsteigen konnten. Wir sind die ersten am Berg und müssen entsprechend die anstrengende Spurarbeit übernehmen. Wir mussten also zwanghaft bei 6.660 Metern Halt machen und konnten die geplante Höhe von knapp 7.000 Metern (Höhe des Aconcagua) nicht erreichen. Noch am gleichen Tag ging es für alle zurück ins Basislager. Damit haben wir nun den größten Teil unserer Ausrüstung an den Berg gebracht und müssen in Zukunft nur noch Essen und Gas aus dem Basislager nach oben transportieren.

Sara, die ein paar Tage mit Ihrem Akklimatisationsplan hinterher hinkt konnte gestern ebenfalls erstmalig Lager 1 erreichen, erstes Material deponieren und gleich wieder zu uns absteigen.

                

Die Tage zwischen unseren Aufstiegen sind im Vergleich zum Anfang der Expedition wirklich zu Ruhetage geworden und geprägt vom typischen Lagerleben. Wir werden fürstlich von unserem Küchenteam versorgt: 8:00 Uhr Frühstück, 13:00 Uhr Mittag, 16:00 Kaffee/Kekse und 19:00 Uhr Abendessen. Darüber hinaus heißt es Wäschewaschen, Ausrüstung pflegen, Duschen, Lesen, andere Expeditionen besuchen, Spazierengehen etc. Auch das Kartenspielen erfreut sich großer Beliebtheit. So halten unsere Bayrisch-, Österreichischen Freunde Landesspiele im 4er Schnapsen ab, wohingegen die Anderen sich eher am Skaten begeistern. Das Wetter ist weiter unbeständig, was bedeutet, dass die Vormittage meist deutlich schöner sind als die Nachmittage und Abende, an denen es häufig windiger wird und anfängt zu schneien.

Morgen steigt der Großteil wieder ins Lager 1 auf und übermorgen weiter in Lager 2 auf knapp 7.000 Meter, um dort erstmalig zu übernachten. Wir konnten durchs Fernglas bereits erkennen, dass die erste Steilstufe zum Lager 2 inzwischen mit Fixseilen versichert ist und wir somit hoffentlich keine Probleme mit dem Aufstieg haben werden. Von dort wird wahrscheinlich nur ein kleiner Teil von uns noch weiter Richtung Lager 3 aufsteigen und der Rest lieber direkt zurück ins Basislager absteigen. Sara steigt übermorgen wieder in Lager 1 auf, um dort ihre erste Nacht zu verbringen. Sie wird also gleichzeitig wieder mit uns ins Basislager zurückkehren. Danach melden wir uns wieder bei Euch.

Liebe Grüße aus dem Basislager!
Für das Cho Oyu Team, Paul und Cord


4. Bericht - 19.09.2011

 

Liebe AMICAL alpin Freunde,

seit 2 Tagen sind wir wieder zurück im Basislager. Am 15. September sind wir problemlos ins Lager 1 aufgestiegen und am 16. September weiter ins Lager 2 - zumindest ein Teil von uns. Sara ist ohnehin erst einen Tag später ins Lager 1 aufgestiegen und Walter und Dieter haben auf dem Weg ins Lager 2 ein Depot angelegt und sind zurück ins Basislager abgestiegen. Die Höhe des Lager 2 ist - entgegen unserer vorherigen Information - nicht nur auf der Höhe des Aconcagua, sondern eher der Höhe des Pik Lenin. Der GPS-Höhenmesser zeigte 7.130 Meter.

 

      

Diejenigen von uns, die es ins Lager 2 geschafft haben, konnten die Nacht wohlbehalten mit mehr oder weniger Schlaf und mehr oder weniger Kopfschmerzen gut überstehen. Am 17. September ging es dann für alle wieder zurück ins Basislager - auch für Sara, die aufgrund von Kopfschmerzen leider keinen weiteren Vorstoß ins Lager 2 unternehmen konnte.

Gestern war für alle Ruhetag und wir haben den ganzen Tag den Geburtstag von Klaus gefeiert. Mit bayerischem Begrüßungsgesang zum Geburtstag, Landjägern zum Frühstück, z. T. Bier zum Mittag, Schinken zum Kaffee, und Geburtstagskuchen zum Abendessen, war dieser Tag sicherlich die absolute Ausnahme im Lagerleben. Der Geburtstag unseres Sherpas Jangbu heute konnte da nicht ganz heran reichen.

 

       

Gestern um 18:27 fängt dann noch plötzlich der Boden an heftig zu wackeln. Kurz darauf hören wir, wie überall um uns herum Lawinen die Berge herunterrutschen. Ein kurzer Blick an den Hang über uns sagt uns jedoch, dass wir hier auf unserem Lagerplatz sicher sind. Unser japanischer Experte in Sachen Erdbeben, der Extrembergsteiger Hiro Takeuchi, schätzt (wahrscheinlich mit einiger Erfahrung) die Stärke des Bebens auf drei der Richterskala.

Ansonsten hatte der Wetterbericht bis zu 50 cm Schneefall für gestern angesagt, die wir allerdings zumindest im Basislager nicht hatten. Walter und Dieter sind heute wieder ins Lager 1 aufgestiegen und wollen morgen weiter Richtung Lager 2. Sara wird ihnen morgen voraussichtlich folgen und versuchen in den nächsten Tagen Lager 2 zu erreichen und eine Nacht dort zu verbringen. Der Großteil von uns ist allerdings schon akklimatisiert und wartet nur noch auf den richtigen Moment für den Gipfelvorstoß. Neben einem guten Wetterfenster sind wir dazu aber vor allem auf die Chinesen angewiesen.

Nachdem der Weg ins Lager 2 von ihnen inzwischen z. T. (über-)versichert ist, lassen sie sich mit der Versicherung des Rest des Weges, vor allem über das Gelbe Band, extrem viel Zeit. Das ist besonders ärgerlich, da inzwischen einige Expeditionen auch schon so weit sind und nur noch auf die Chinesen warten. Wenn es nicht bald ein Zeichen gibt, dass es an dieser Front weiter geht, müssen wir die Sache wohl selbst in die Hand nehmen.

Wir werden weiter berichten und melden uns, bevor es dann tatsächlich los geht.

Herzliche Grüße aus dem Basislager!
Für das Cho Oyu Team, Cord


5. Bericht - 24.09.2011

 

Liebe AMICAL alpin Freunde,

seit 7 Tagen sitzen wir nun im Basislager fest. Unser Expeditionsleiter Tom Merkel hat treffend angemerkt, dass man inzwischen wohl eher von Warte- als von Ruhetagen sprechen muss. Wir warten auf die Versicherung des oberen Teiles des Berges mit Fixseilen und ein gutes Wetterfenster.

Morgen geht es nun endlich los. Die Chinesen waren natürlich untätig aber eine koreanische Expedition hat inzwischen das Gelbe Band mit Fixseilen versehen und gestern erfolgreich den Gipfel erreicht. Unsere diversen Wetterprognosen sagen gutes Gipfelwetter für den 28. September voraus, mit wenig Wind und Feuchtigkeit. Das Wetter wollen wir nutzen! Im Basislager sieht es bislang zwar nicht nach gutem Wetter aus, denn es stürmt und schneit seit zwei Tagen fast ununterbrochen. Doch so langsam macht uns allen auch das Kartenspielen, Lesen, Tagebuchschreiben etc. keinen Spaß mehr und wir brauchen unbedingt wieder Bewegung.

                           

Wir können es kaum noch abwarten! Besonders schön ist auch, dass wir alle zusammen gehen können. Durch die Warterei sind wir alle auf dem gleiche Akklimatisationsstand und es geht auch allen gesundheitlich gut, so dass wir den Gipfel getreu dem AMICAL-Motto "gemeinsam unterwegs" in Angriff nehmen können. Morgen gehts ins Lager 1, am 26. September ins Lager 2, dann mit dem gesamten Gepäck ins Lager 3 auf 7.450 Meter und am 28. September dann hoffentlich auf den Gipfel mit 8.201 Meter. Auf dem Rückweg werden wir wohl noch eine Nacht am Berg verbringen müssen, versuchen aber in jedem Fall soweit abzusteigen, wie wir können.

Wir melden uns wieder bei Euch, wenn wir hoffentlich am 29. September wieder zurück im Basislager sind.

Drückt uns die Daumen für den Gipfel!

Für das Cho Oyu Team, Cord



6. Bericht - 27.09.2011

 

Liebe AMICAL alpin Freunde,

wir sitzen immer noch im Basislager und haben noch keinen weiteren Schritt an den Berg gewagt. Die letzten Tage waren sowohl im Basislager als auch am Berg geprägt von starkem Wind und viel Schneefall. Im Basislager hatten wir in den letzten 24 Stunden über 50 cm Neuschnee und oben am Berg war es entsprechend mehr - bestimmt über 1 m. Die letzten Tage waren entsprechend voller Frust und Enttäuschung. Um so größer ist deshalb jetzt unsere Freude, dass doch noch was passiert. Seit gestern Abend hat der Schnee aufgehört und heute haben wir schon den ganzen Tag strahlenden Sonnenschein.

                          

Wir klammern uns an einen bzw. verschiedene letzte Strohhalme, um noch eine Chance auf den Gipfel zu erhalten. Alle Wetterberichte sagen ein einigermaßen gutes Wetterfenster für den 30. September voraus. Es soll keinen Niederschlag geben, dafür aber starken Wind. Wir wissen nicht genau, wie die Situation oben aussieht, werden sie uns aber vor Ort ansehen. Dafür haben wir verschiedene Möglichkeiten, aus denen jeder Teilnehmer die für sich persönlich beste wählen wird. Für alle steht der 30. September als möglicher Gipfeltag fest. Um zum Gipfel zu kommen können wir entweder wie geplant von Lager 3 starten (750 Höhenmeter bis zum Gipfel) oder von Lager 2 (1.100 Höhenmeter bis zum Gipfel). Diejenigen, die von Lager 3 aufbrechen müssen morgen Abend bereits in Lager 2 sein. Einige von uns gehen deshalb noch bereits heute Abend in Lager 1 und morgen weiter in Lager 2. Andere gehen morgen direkt vom Basislager ins Lager 2.

Die Fixseile der Koreaner sind wohl nicht mehr zu gebrauchen, weshalb wahrscheinlich übermorgen ein Team von Sherpas verschiedener Expeditionen den Berg oberhalb von Lager 2 versichern wird.

Viele Grüße und drückt uns weiterhin die Daumen,
Für das Cho Oyu Team,
Cord

 

 

 



7. Bericht - 03.10.2011

 

Letzte Neuigkeiten der AMICAL alpin Cho Oyu Expedition 2011

Alle Teilnehmer unserer Cho Oyu Expedition sind nach einem leider erfolglosen Gipfelversuch am 30.09. wieder unversehrt ins Basislager zurück gekehrt und befinden sich inzwischen auf der Rückreise nach Kathmandu. Wir wünschen eine gute Heimreise und noch erholsame Tage in Kathmandu, das Team von AMICAL alpin.

Ein ausführlicher Bericht folgt!

 

 

Liebe AMICAL alpin Freunde,

unsere Expedition neigt sich dem Ende und wir melden uns deshalb mit einem letzten Bericht bei Euch aus dem Basislager. Die letzte Woche konnten wir nun endlich unseren Gipfelversuch starten, auch wenn er leider nicht erfolgreich gewesen ist. Seit vorgestern bzw. gestern sind wir jedoch alle wieder gesund und wohlbehalten zurück im Basislager.

Am 27. September sind alle Gipfelaspiranten außer Tom Merkel (er musste noch zu einer Besprechung mit den anderen großen Expeditionen) ins Lager 1 aufgestiegen. Der Weg war wirklich unangenehm kalt, da die meisten von uns ihre Daunensachen bereits in Lager 2 deponiert hatten. Wir waren alle froh im Lager anzukommen und die Wärme unseres Schlafsacks genießen zu können. Am 28. September ging es dann weiter ins Lager 2. Der Weg dahin war nicht weniger kalt - aber durch die Länge des Weges und die Rucksäcke noch um einiges anstrengender. Tom ist am 28. direkt ins Lager 2 aufgestiegen. Am 29. September ging es den recht direkten Anstieg weiter ins Lager 3 auf 7.550 m. Wir sind alle sofort ins Zelt, da der Aufenthalt dort nur sehr kurz ist. Die Zeit, die wir haben, müssen wir nutzen, um genügend Schnee für den Abend, die kurze Nacht, den Morgen sowie den nächsten Tag zu schmelzen. Tom gibt bekannt, dass Abmarsch vom Lager für 3:30 Uhr in der Früh geplant ist. Mindestens zwei Stunden vorher heißt es für alle Aufstehen, um rechtzeitig fertig zu sein - in der Höhe dauert einfach alles viel länger.

Morgens ist es im Zelt bereits eiskalt - draußen ist es noch viel kälter! Noch dazu weht ein starker Wind, der es noch kälter wirken lässt. Gut eingepackt ziehen wir trotzdem los - zumindest für eine halbe Stunde. Dann erreichen wir das Gelbe Band auf 7.600 m. Dort sucht eine Gruppe von 6 Sherpas, zu denen auch unsere 3 Hochlagerträger gehören, den richtigen Weg durch die Steilstufe. Eigentlich hätte die Stufe bereits durch die Chinesen fixiert sein sollen, was allerdings nicht geschehen ist. Die Koreaner haben (wenn auch wenige und als nicht besonders sicher beschriebene) Fixseile verlegt, die allerdings etwas abseits der eigentlichen Route liegen und weder von uns noch unseren Hochlagerträgern in der Dunkelheit gefunden werden. Bedingt durch die Dunkelheit, die Kälte und die schwierige Wegfindung entscheiden sich unsere Sherpas jedoch den Rückweg anzutreten. Auch die verbliebenen Teilnehmer unserer Gruppe entschließen sich daraufhin umzukehren und den Weg über das Gelbe Band nicht alleine und ohne Seilsicherung zu wagen. Auch wäre die Spurarbeit zum Gipfel in einer solchen kleinen Gruppe bedeutend anstrengender gewesen als mit allen Teilnehmern und Hochträgern gemeinsam.

Wir sind zurück zu den Zelten und haben uns da noch bis zum Sonnenaufgang ausgeruht. Dann ging es entweder direkt oder mit einer weiteren Übernachtung in Lager 1 in ein bis zwei Tagen zurück ins Basislager.

Gestern Abend haben wir trotz missglücktem Gipfelversuch die Sektflaschen geöffnet und darauf angestoßen, dass wir alle wieder gesund hier unten angekommen sind. Heute heißt es Packen und morgen geht es dann in auf zweitägiger Fahrt mit Übernachtung in Nyalam zurück nach Kathmandu. Dort verbringen wir dann noch zwei Tage mit Shopping und Sightseeing, bevor wir am 8. Oktober wieder in München landen und die Expedition mit einem zünftigen Weißwurstfrühstück am Flughafen abschließen werden.
Dann sehen wir Euch alle wieder!
Für das Cho Oyu Team, Cord