Pakistan / Himalaya
V. Nanga Parbat Expedition (8125 m)
Extreme 8000er Expedition
"Der Schicksalsberg der Deutschen" oder "Der nackte Berg", wie er richtig übersetzt heißt, hat eine lange, dramatische Geschichte. Vor allem die Ereignisse auf der Nordseite des Berges in den dreißiger Jahren brachten dem Berge traurige Berühmtheit. 1953 erreichte Hermann Buhl in seinem denkwürdigen Alleingang erstmals den Gipfel. Nachdem fast alle Besteigungsversuche von Norden aus gegangen waren, konzentrierte sich 1961 wieder eine Expedition auf die West- oder auch Diamir-Flanke. Toni Kinshofer fand hier eine zwar schwierige, aber auch relativ sichere Aufstiegsroute im linken Wandteil, die er dann ein Jahr später und etwas abgeändert bis zum Gipfel verfolgen konnte. Über diese steile Diamir-Flanke haben inzwischen viele Expeditionen stattgefunden, in 2001, 2004 und 2008 auch drei erfolgreiche Expeditionen von AMICAL alpin. Im Jahr 2011 ist die erneute Begehung der klassischen Kinshofer-Route sicher wieder das schwierigste Unternehmen in unserem Programm.
Unsere elfköpfige Gruppe mit Teilnehmern aus Deutschland, Österreich und Italien ist am 21.05 nach Pakistan gestartet. Am 28.05 wird planmäßig das Basislager erreicht und nach dem Einrichten im Basislager werden hier aktuelle Berichte veröffentlicht.
Bericht 1 vom 29.05.2011
Hallo liebe AMICAL alpin Freunde,
wir haben am 27.05.2011 das wunder schön gelegene BC des Nanga Parbats erreicht. Aber der Reihe nach.
Nach einem Flug von München nach Islamabad sind wir in der Nacht des 22.05.2011 in Pakistan angekommen. Nach einem langen Flug sind Temperaturen von 30° C nachts doch etwas Besonderes für uns Europäer. Am nächsten Tag genossen wir noch eine kleine Rundfahrt durch Islamabad und konnten unsere letzten Besorgungen tätigen. Da Dominik schon zwei Tage früher nach Pakistan gereist war und dort alles organisatorische erledigen konnte stand einer Abreise am nächsten Tag nichts mehr im Wege.
Nach einem sehr guten Abendessen im Hotel und Frühstück um 4:00 Uhr können wir um 4:30 Uhr Richtung Chilas aufbrechen. Hinter Besham sind auf dem Karakorum Highway noch immer die Spuren des Hochwassers von 2010 zu sehen und auch an den unzähligen Schlaglöchern und provisorischen Brücken zu spüren. Nach 20 Stunden Busfahrt sind wir doch alle ziemlich erschlagen in Chilas in unserer Unterkunft angekommen. Unterwegs sind abschnitsweise Sicherheitskräfte im Bus mitgefahren, natürlich bewaffnet und zu unserer Sicherheit.

Auch Abdul Manan unserem einheimischer Guide und Führer sind die Strapazen anzusehen. Durch eine Umstrukturierung in der Tourismusbehörde findet das Expeditionsbriefing jetzt in den einzelnen Provinzen und nicht mehr zentral in Islambabad statt und wird morgen bei uns im Hotel sein. Nach dem Frühstück erledigt Dominik mit Abdul Manan noch die letzten Besorungen und auch unser Küchenteam und die Hochträger lernen wir kennen. Am Abend kommt ein Vertreter der Tourismusbehörde vorbei und wir halten das Expeditionsbriefing ab. Da wir die erste Gruppe sind die in Chilas ihr Briefing hat, fällt dieses sehr umfangreich mit Vertretern der Presse und einigen Fotoshoots aus. Wir werden auch noch auf einen Drink (Orangensaft) eingeladen und alle freuen sich dass es morgen Richtung BC geht. Geplant ist dass wir dieses in drei Tagen erreichen. Durch die starken Regenfälle 2010 ist die Straße von Bunar nach Diamirai nicht mehr durchgängig befahrbar und wir müssen eine Engstelle zu Fuß überwinden. Zuerst noch auf zwei Jeeps dann noch auf einem. Ja Ihr habt richtig gelesen 14 Teilnehmer, Küchenteam, Hochträger, einige Träger, Abdul Manan und der Fahrer auf einem Jeep. Man wundert sich immer wieder was doch alles geht.

Nach einer weiteren Stunde Jeepfahrt überqueren wir bei Diamirai den Fluss Bunar und steigen noch in 6 Stunden bis zum ersten Lager Richtung Nanga Parbat BC auf. Unser Koch entschuldigt sich für das spärliche Abendessen da er nur ein provisorisches Küchenzelt aufbauen konnte. Wir sind aber alle mehr als Satt geworden und das Abendessen war hervorragend.
Am nächsten Morgen geht es sehr Früh um 5:00 Uhr in weiteren 6-7 Stunden weiter nach Jerdin auf 3800m. Dort wieder Abendessen. Am nächste Morgen verschieben wir wegen starkem Regen den Abmarsch von 6:00 Uhr auf 8:00 Uhr und kommen so trocken bis ins BC. Dort angekommen beginnen wir sogleich mit dem Aufbau der Zelte und auch unser großer Dom steht am frühen Nachmittag. Alle helfen zusammen und so können wir uns den restlichen Tag ausruhen und genießen die Sicht auf unsere Aufstiegsroute und den Nanga Parbat. Das BC liegt einfach nur Traumhaft auf einer Blumenwiese und wird von einem frischen Bächlein durchzogen.

Am nächsten Tag ist erst einmal ausschlafen angesagt und jeder richtet sich in seinem Einzelzelt noch häuslich ein. Am Vormittag erledigen wir noch die restlichen Arbeiten und verteilen die Hochlagernahrung. Nach dem Mittagessen machen wir einen ersten Materialtransport bis zum Gletscherrand und richten dort ein Zelt als Materialdepot ein. Wir planen am Sonntag den 28.05.2011 das Lager I einzurichten.

Jetzt senden wir allen noch ganz liebe Grüße aus dem BC am Nanga Parbat und sagen Danke bei allen die uns in der nächsten Zeit die Daumen drücken.
Dominik im Namen des gesamten Nanga Parbat Teams
Bericht 2 vom 02.06.2011
Hallo liebe AMICAL alpin Freunde,
wir sind heute am Mittwoch den 01.06.2011 alle wieder gesund im Basislager angekommen. Seit dem letzten Bericht haben wir einige wunderschöne Tage am Berg verbracht. Wir konnten wie geplant am 28.05.2011 mit sehr viel Material bis ins Lager I aufsteigen und dieses einrichten.
Da es dieses Jahr sehr wenig Schnee hat und die Route durch den Eisbruch nicht ganz leicht anzulegen ist, konnten wir gemeinsam mit unseren Mitstreitern aus Kyrgyzstan einen Weg durch den Eisbruch bis nach Lager I anlegen.

In Lager I wartete dann aber mehr Arbeit als gedacht auf uns und wir mussten Plattformen für 6 Zelte mühevoll aus dem Hang schaufeln und mit den Eisgeräten herausarbeiten. Da aber alle super zusammenarbeiteten war dies in 2 Stunden erledigt und wir konnten den restlichen Nachmittag zur weiteren Akklimatisation nutzen.

Wir stiegen dann gegen 15:00 Uhr ins BC ab und alle freuten sich auf ein Abendessen und den für morgen angedachten Ruhetag.
Am 30.05.2011 starteten wir dann gegen 9:00 Uhr Richtung Lager I und transportierten unsere persönliche Ausrüstung. Allen hat der Ruhetag richtig gut getan, denn die schnellsten waren in unter 2,5 Stunden vom BC bis nach Lager 1 aufgestiegen. Brauchten wir doch beim ersten Gang noch über 3 Stunden.
Dort angekommen hieß es zuerst einmal Schnee schmelzen und die Reserven wieder auffüllen. Nach dem Mittagessen und einem Kaffee aus dem Fertigpack verteilten wir unser in Lager 1 lagerndes Material sprich Fixseile, Firnanker, Eisschrauben, Felshaken und machten uns auf den Weg in die Löw-Eisrinne.
Da im unteren Bereich von den Kirgisen am Vortag schon einige Meter verlegt worden waren, schlossen wir am Ende mit unseren Fixierarbeiten an und konnten bis auf ca. 5400m Höhe kommen. Das restliche Material deponierten wir dort und machten uns um 16:00 Uhr auf den Abstieg nach Lager 1 wo wir die Nacht verbrachten.
Geplant war die Fixierarbeiten am nächsten Tag fortzusetzen, aber das Wetter spielte nicht mit. Gegen Mitternacht begann es zu schneien und bis zum Morgen kamen ca. 20cm Neuschnee zusammen und es schneite noch weiter. Gegen 9:00 Uhr beschlossen wir ins BC abzusteigen.

Durch den Schneefall und etwas Nebel war es nicht ganz leicht den Rückweg durch den Eisbruch zu finden, aber am Vortag gebaute Steinmännchen wiesen uns sicher zum Gletscherrand. Von dort war es nur noch ein Katzensprung und wir konnten alle am Vormittag etwas durchfeuchtet das BC erreichen.
Für Donnerstag ist ein Ruhetag geplant und die weitere Planung hängt stark von den Wetterprognosen ab. Das war's für heute aus dem BC und wir senden allen liebe Grüße nach Hause.
Herzliche Grüße aus dem Nanga Parbat Basislager
Dominik für das gesamte Team
Bericht 3 vom 06.06.2011
Wir melden uns wieder aus dem BC zurück.
Heute genießen wir einen Ruhetag, denn in den vergangenen Tagen lag viel Arbeit hinter uns. Als wir am Freitag erneut nach L1 aufstiegen ahnten wir noch nicht, wie schwierig die Verhältnisse im oberen Teil der Löw-Eisrinne sein werden. Als wir am Freitag Mittag in L1 ankamen stiegen wir nach einer kleinen Stärkung und mit etwas Material wieder in die Löw-Eisrinne ein und arbeiteten uns mit den Kirgisen Meter für Meter aufwärts. Es galt an der Spitze die Standplätze im Eis und zum Teil im Fels anzulegen und gleichzeitig Material von hinten nach zu bringen.
Hier möchte ich einmal die großartige Teamleistung und den Zusammenhalt unter den einzelnen Mitgliedern ansprechen. Jeder in unserem Team arbeitet mit und so kommen wir doch Tag für Tag bei schwierigen Verhältnissen höher. Auch wissen wir jetzt warum die Löw-Eisrinne Eisrinne heißt, da es dieses Jahr sehr blank ist und die Rinne sehr aufwendig zu versichern ist.
Nach dem Deponieren des Sicherungsmaterials stiegen wir wieder in L1 ab um dann am nächsten Tag mit den Versicherungsarbeiten weiter zu machen. Zuerst legten die Kirgisen wieder einige Meter um uns dann wieder den Nachmittag zu überlassen. Wir kamen an diesem Tag bei zum Teil Blankeis bis zum Anfang der Querung Richtung Kinshofer Wand und deponierten dort wieder Material.

Bein Abstieg überraschte uns an einem Standplatz ein Schneerutsch welcher uns zu einer nicht geplanten Abkühlung verhalf. Zum Glück waren keine Steine und größerer Eisbrocken darin, und so blieben alle unverletzt und niemanden ist etwas passiert. Nur der Schnee im Kragen und Rücken war doch etwas unangenehm, aber wir nahmen es mit Humor und seilten uns weiter ab.
Geplant war am nächsten Morgen nach einer weiteren Aklimatisationsnacht von L1 ins BC abzusteigen. Alle haben wieder volle Leistung gebracht und freuen sich über eineinhalb Ruhetage.
Durch die sehr warmen Temperaturen in den letzten Tagen ist der Weg zwischen L1 und BC sehr ausgeschmolzen und wir werden diesen an einer sehr heiklen Stelle umlegen müssen. Dort klebt nur noch eine sehr dünne Eisplatte als Übergang über eine große Spalte an einer Felsplatte und droht abzurutschen. Wenn dies passiert, würde jemanden von uns mit in die Spalte gerissen werden und diese Stelle ist mit Fixseilen nicht ordentlich abzusichern. Wir haben aber beim Abstieg von L1 einen neuen Weg durch eine kleine Felswand entdeckt und werden den Aufstiegsweg morgen umlegen und können so das L1 wieder sicher erreichen.
Geplant ist am Dienstag nach L1 und dann in den nächsten Tagen nach L2 und die Strecke zwischen L2 und L3 zu versichern. Wenn die Wetterprognosen eintreten, dann könnte sich auch schon eine erste Aklimatisationsnacht in L3 ausgehen.
Es bleibt weiterhin sehr spannend am Nanga Parbat aber das gesamte Team ist sehr positiv eingestellt und freut sich auf die nächsten Tage am Berg.
Herzliche Grüße allen Daheimgebliebenen aus dem Nanga Parbat BC.
Dominik für das gesamte Team
Bericht 4 vom 13.06.2011
Liebe AMICAL alpin Freunde,
wir melden uns nach mehreren Tagen am Berg zurück aus dem BC des Nanga Parbats. In den vergangenen Tagen ist sehr viel passiert und wir haben einiges erlebt. Es begann alles nach Plan und wir stiegen nach einem tollen Mittagessen nach L1 auf um dort zu schlafen. Am nächsten Morgen starteten wir sehr früh, um der starken Sonneneinstrahlung und der damit verbundenen Hitze in der Löw-Eisrinne zu entgehen. Am Ende der Löw-Eisrinne angekommen versicherten wir zusammen noch die Kinshofer Wand mit Fixseilen, was bei den vorherrschenden Bedingungen nicht ganz einfach war. Im Bereich der Wand findet man kombiniertes Gelände bis zum V. Grad mit Neuschneeauflage und jede Menge alte Fixseile vor, wobei man nicht weiß, welchem man Vertrauen kann. In Lager II angekommen, mussten mühsam Plattformen für die Zelte aus dem Eis gehackt werden und nach getaner Arbeit und Schneeschmelzen fielen alle an diesem Abend erschöpft aber glücklich in die Schlafsäcke.



Am nächsten Tag war ein Ruhetag angesagt um die Strapazen des Vortages zu verdauen und dem Körper Zeit zu geben sich an die neue Höhe anzupassen. Jeder war froh, dass es heute nicht höher ging und wir den Tag zur Erholung hatten. Nach einer weiteren Nacht starteten wir am nächsten Morgen und waren guter Dinge, vielleicht bis nach L III zu kommen. Nach einigen Metern wurde unsere Hoffnung aber gedämpft. Die Bedingungen waren alles andere als leicht und so kämpften wir uns in einer tollen Teamarbeit von LII bis auf ca. 6300m durch kombiniertes Gelände nach oben. An einer Schneerippe angekommen sahen wir, dass auch der Weiterweg nach L III aus einer 15cm starken Schneeauflage, welche auch in diesem Bereich keine Bindung zum darunter liegenden Eis hat, besteht. So wurden unsere Hoffnungen heute vielleicht LIII zu erreichen zerschlagen und wir mussten an diesem Punkt umkehren. Wir genossen noch eine grandiose Aussicht ins über 2000m tiefer liegende BC und stiegen zu einer weiteren Akklimatisationsnacht nach L II ab.


Bereits in LII waren einige von den harten Bedingungen, die dieses Jahr am Nanga Parbat herrschen, so beeindruckt, dass sie für sich entschlossen, dass dies hier das Ende der Expedition für sie bedeutet. Nach einer gedankendurchtriebenen Nacht stiegen wir von LII über die Kinshoferwand und die Löw-Eisrinne nach LI ab. Dort deponierten die TN, welche es mit mir noch einmal versuchen wollten, ihr Material und die anderen räumten das Lager und wir trafen uns überglücklich im BC. Dort wurde jeder TN mit einem frischen Saft empfangen und am frühen Nachmittag zauberte unser Koch wieder ein sensationelles Mittagessen auf den Tisch. Nach mehreren Tagen am Berg und Essen aus Fertigpackungen geht doch nichts über ein frisch zubereitetes Essen.



Am Nachmittag stand dann für 4 TN der Entschluss fest, dass für Sie das Abenteuer Nanga Parbat hier zu Ende ist. Sie fällten diesen Entschluss keineswegs enttäuscht, sondern sind glücklich über das was sie bis jetzt erlebt und am Berg erreicht hatten. Wir Übrigen teilen uns nun die weiteren Arbeiten am Berg zwischen LII und LIII mit unseren Freunden aus Kirgistan und werden uns in den nächsten Tagen im BC erholen. Geplant ist, dass wenn die Wetterprognosen grünes Licht geben, wir einen Vorstoß nach LIII und vielleicht LIV unternehmen und wenn sich alle gut fühlen vielleicht ein erster Gipfelversuch ansteht. Wie die Bedingungen über LIII sind, ist schwer einzuschätzen, aber wir sind positiv gestimmt und freuen uns wenn wir in ein paar Tagen wieder starten dürfen.
Wir verbleibenden TN möchten uns noch bei den abreisenden Freunden für die ausgezeichnete Zusammenarbeit und den tollen Zusammenhalt bedanken. Wir gehen nicht als Verlierer und vielleicht Gewinner auseinander sondern als Freunde, welche alle bis jetzt zum Gelingen dieser Expedition beigetragen haben. Ganz sicher wird uns in der verbleibenden Zeit jeder einzelne fehlen und es stimmt uns etwas nachdenklich und auch traurig jetzt weniger Kameraden um uns zu haben. Wir wünschen Euch eine sichere Heimkehr und freuen uns auf ein Wiedersehen nach der Expedition. Wir werden in der verbleibenden Zeit unser Bestes geben und wissen doch, wann es Zeit ist umzukehren. Allen Angehörigen senden wir ganz liebe Grüße aus dem Nanga Parbat BC und den vielen AMICAL alpin Freunden sagen wir Danke für Euer Interesse und bedanken uns fürs Daumendrücken.
Herzliche Grüße aus dem Nanga Parbat BC
Dominik für das gesamte Team
Bericht 5 vom 26.06.2011
Es hat nicht wollen sein,
liebe AMICAL alpin Freunde wir melden uns heute ein letztes Mal aus dem BC des Nanga Parbat. In den vergangenen Wochen haben wir mit dem Nanga gekämpft, gehofft, gelacht und auch am Fuße im BC gelebt.
Wir konnten bei unserem letzten Versuch bis auf LIII vorstoßen und haben die technisch schwierigsten Passagen überwunden und mit Fixseilen versichert. Voller Hoffnung stiegen wir vor ein paar Tagen bis nach LIII auf und auch unsere Wettervorhersagen eröffneten uns ein kleines Windfenster, welches wir nutzen wollten. In der Nacht in LIII hatte jedoch der Jetstream gedreht und wir wurden mit sehr hohen Windgeschwindigkeiten konfrontiert. Nach einem Anruf über unser Satelitentelefon bei unseren Metereologen in der Schweiz wurden unsere Hoffnungen auf einen weiteren Aufstieg zerschlagen. Der Jet hatte in wenigen Stunden gedreht und im Gipfelbereich herrschten Windgeschwindigkeiten von über 120km/h und dies wird die nächsten Tage anhalten. Die hohen Windgeschwindigkeiten bescherten uns auch noch starke Schneeverfrachtungen in der Querung zwischen LIII und LIV und bedeutete eine erhöhte Lawinengefahr mit windverpressten hüfttiefem Schnee. Also packten wir schweren Herzens unsere Ausrüstung zusammen und stiegen an diesem Tag noch bis ins BC ab. Von fast 7000m bis auf 4200m ins BC absteigen und abseilen mit vollem Rucksack, ist nicht gerade ein Zuckerschlecken. Überglücklich war ich, als alle die Abseilstellen in der Kinsohofer Wand und auch die Löw-Eisrinne gesund und ohne Zwischenfall verlassen hatten.



Im BC angekommen wurden wir von unserer Begleitmannschaft herzlich empfangen und alle waren erleichtert, dass wir gut im BC angekommen sind. Durch die gestiegenen Temperaturen und die Ausaperung in der Löw-Eisrinne ist in den vergangen Tagen die Eis- und Steinschlaggefahr enorm angestiegen. Beim Abstieg ist doch der eine oder andere Stein an uns vorbeigerauscht.
Wir haben uns nach unserem letzten Versuch ein paar Tage Erholung verordnet, um wieder alle Speicher aufzufüllen und uns zu stärken.
Nach dem täglichen Auswerten der Wettervorhersagen haben wir uns bis Donnerstag Zeit gelassen, ob sich in den verbleibenden Tagen noch ein letzter Versuch ausgeht. Die Wettervorhersagen zeigen aber dass der Wind in unserer verbleibenden Zeit nicht nachlassen wird. Dies bedeutet für uns, dass wir keinen weiteren Aufstieg, mit einer realen Chance den Gipfel zu erreichen, haben. Die Entscheidung ist gefällt, und so haben wir für Mittwoch die Träger bestellt und in den vergangen Tagen LII und LI abgebaut, die Ausrüstung getrocknet, sortiert und verpackt.


Wir haben am Nanga Parbat viel erlebt und gehen mit eindrücklichen Bildern nach Hause. Auch haben wir die einheimische Bevölkerung schätzen gelernt und sind immer offen und mit vielen Fragen empfangen worden. Dafür möchten wir uns ganz herzlich bei unserer Begleitmannschaft bedanken, denn ohne diese großartige Unterstützung könnten wir in diesen entlegenen Regionen unserer Leidenschaft nicht nachgehen. Ein ganz besonderer Dank gilt unserem Koch für die ausgezeichnete Verpflegung. Ihm war kein Wunsch zu viel und seine Pizzen werden wir vermissen.
Ja der Nanga Parbat, ein beeindruckender Berg der uns so schnell nicht loslassen wird. Vielleicht kehren einige ja wieder zurück, um es in der Zukunft noch einmal zu versuchen.


Jetzt wächst in jedem von uns langsam die Vorfreude auf Zuhause, auf unsere Angehörigen und Familien. Ohne Ihre Unterstützung und Einsicht hätten wir dies alles nicht erleben dürfen. Vielen Dank dafür.
Liebe AMICAL alpin Freunde, vielen Dank für Euer Interesse, die Unterstützung, die guten Gedanken und für’s Mitfiebern.
Dominik für das Nanga Parbat Team

