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Wasserqualität auf Reisen: Trinkwasser im Urlaub

Wer mehrere Wochen durch Südostasien reist oder mit dem Zelt durch die skandinavischen Fjells zieht, verlässt schnell die sicheren Bahnen der mitteleuropäischen Trinkwasserversorgung. Etwa zwei Milliarden Menschen haben keinen gesicherten Zugang zu hinreichend aufbereitetem Trinkwasser. Reisende müssen sich also mit Wasserquellen und Krankheitserregern, aber auch mit Aufbereitungsverfahren näher beschäftigen, noch bevor die erste Trekkingtour beginnt. Wer sich ein paar Grundlagen aneignet, kann sein Risiko für Magen-Darm-Infekte erheblich senken und auch bei der Wahl seiner Ausrüstung bessere Entscheidungen treffen.

Wasserqualität ist weltweit sehr unterschiedlich

Mikrobiologische, chemische und radiologische Grenzwerte, die international als Referenz gelten, definiert die WHO in ihren Trinkwasserqualitäts-Leitlinien. In Ländern wie Deutschland, Österreich oder der Schweiz unterliegt das Leitungswasser einer strengen Kontrolle. Vergleichbare Kontrollen fehlen in vielen anderen Regionen der Welt. Auch in Reiseländern, die einen guten Ruf genießen, kann das Wasser in entlegenen Gegenden, in alten Leitungen und zur Regenzeit stark belastet sein. Auf Trekkingtouren sieht die Sache anders aus. Bergbäche sehen zwar oft klar und sauber aus, können aber auch Rückstände von der Weidewirtschaft, Kadaver von Wildtieren oder die Ausscheidungen von Nagetieren enthalten. Ein guter Wasserfilter für Outdoor gehört daher in vielen Regionen zur Grundausstattung, besonders dort, wo man sich oberhalb der Baumgrenze oder in Ländern ohne Trinkwasserversorgung aufhält. Das jeweilige System hängt von den zu erwartenden Kontaminationsarten, der Dauer der Tour und dem Wasservorrat ab.

Mikrobiologische und chemische Risiken im einzelnen

Mikrobiologische und chemische Risiken im einzelnen

Einteilen lassen sich die für uns relevanten Krankheitserreger in drei Hauptgruppen. Protozoen wie Giardia lamblia und Cryptosporidium parvum sind mit 4 bis 15 Mikrometern relativ große Erreger, die sich mechanisch gut filtern lassen. Bakterien wie Escherichia coli, Salmonella typhi oder Vibrio cholerae messen zwischen 0,2 und 3 Mikrometern. Viren (Hepatitis A, Rotaviren, Noroviren) hingegen liegen mit ihren 20 bis 100 Nanometern unterhalb der Auflösungsgrenze der meisten mechanischen Filter. Neben biologischen Belastungen gibt es chemische Verunreinigungen. Rückstände von landwirtschaftlichen Giften, Schwermetalle wie Blei oder Arsen, Chlorverbindungen aus der kommunalen Aufbereitung schädigen nicht nur unseren Geschmackssinn, sondern auf Dauer auch unsere Gesundheit. Aktivkohle bindet organische Verbindungen, verbessert den Geschmack und vermindert die Chlorrückstände wirksam. Gegen Viren bietet sie allerdings keinen Schutz.

Aufbereitungsverfahren im Vergleich

Die US-amerikanische Umweltschutzbehörde EPA hat einen Standard für sogenannte Wasseraufbereiter vorgegeben. Ein Gerät darf sich als Purifier bezeichnen, wenn es 99,9999 Prozent der Bakterien (6-log-Reduktion), 99,99 Prozent der Viren (4-log-Reduktion) und 99,9 Prozent der Protozoen (3-log-Reduktion) entfernt. Einfache Filter erreichen diese Werte für Viren nicht. Mechanische Hohlfasermembranen mit einer Porengröße von 0,1 bis 0,2 Mikrometern halten Bakterien und Protozoen sicher zurück. Zur Virenbekämpfung können auch chemische Verfahren eingesetzt werden, zum Beispiel Chlordioxid, Silberionen oder eine Behandlung mit ultraviolettem Licht (254 nm).

Mehrstufige Systeme kombinieren die Vorteile verschiedener Verfahren: Vorfilter gegen Schwebstoffe, Hohlfasermembran gegen Mikroorganismen, Aktivkohleschicht gegen Geschmack und chemische Rückstände sind oft gekoppelt. Die Trübung des Rohwassers, angegeben in Nephelometrischen Trübungseinheiten (NTU), beeinflusst die Standzeit der Filter erheblich. Ein Wasser mit hohem NTU-Wert setzt die Filter schneller zu und sollte deshalb grob vorgefiltert werden, z. B. durch ein Tuch oder einen Kaffeefilter.

Auswahltipps für Reise und Trekking

Bei der Auswahl eines Systems spielen die Kapazität, Durchflußmenge und Gewicht eine entscheidende Rolle. Bei der Gesamtkapazität gibt es je nach Produkt Unterschiede von 1.000 bis 100.000 Litern. Die Durchflußmenge schwankt zwischen 0,5 und drei Liter pro Minute. Für Solotouren eignet sich meistens ein leichter Strohhalmfilter mit weniger als 100 g Gewicht, für Gruppen dagegen eher Pumpsysteme oder Schwerkraftfilter mit höherem Durchsatz.

Prüfzertifikate geben eine Orientierung. Neben dem EPA-Standard sind unabhängige Tests nach NSF/ANSI 42, 53 und P231 recht beliebt, die unterschiedliche Reinigungsleistungen bestätigen. Wer sich für ein Produkt entscheidet, sollte auf klar dokumentierte Rückhalteraten achten und nicht auf pauschale Werbeversprechen hereinfallen.
Vor der Abreise sollte ein Blick in die Wasserberichte der Reiseregion nicht fehlen, z. B. über das Robert-Koch-Institut für Reisemedizin oder die länderspezifischen Hinweise des Auswärtigen Amts. Wer Filter, Chemie und Wissen kombiniert, ist auf seinen Touren sicherer versorgt und flexibel, wenn eine Wasserstelle einmal ausfällt.

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