Die Welt da draußen hat sich über Nacht in ein stummes, weißes Archiv verwandelt. Wenn der Winter sein Leintuch über die Wälder breitet, wird jeder Schritt zu einer Geschichte, jede Bewegung zu einer bleibenden Notiz.
Wer jetzt mit wachen Augen durch das Unterholz streift, liest in einem Buch, das im Sommer verborgen bleibt. Ganz vorne mit dabei, fast wie ein zarter Tanz auf dem glitzernden Kristall: die Reh Spuren im Schnee.
Es ist eine besondere Art der Stille, die uns im Winterwald empfängt. Man hört das eigene Atmen, das Knirschen der Sohlen und – wenn man Glück hat – das ferne Knacken eines Zweiges. Aber meistens sieht man sie, bevor man sie hört. Diese charakteristischen Abdrücke, die uns verraten, dass wir hier nicht allein sind. Doch wie liest man diese Hieroglyphen der Natur eigentlich richtig?
Tierspuren im Schnee: Die vergängliche Zeitung des Waldes
Wer im Winter wandert, betritt eine andere Dimension. Ohne das Rascheln der Blätter und das Summen der Insekten wirkt der Wald leer, fast verlassen. Doch der Schein trügt gewaltig.
Die Tierspuren im Schnee sind der Beweis für ein pulsierendes Leben unter dem Gefrierpunkt. Während wir uns in Daunenjacken hüllen, meistern Reh, Fuchs und Hase ihren Alltag im eisigen Wohnzimmer.
Der Schnee fungiert dabei wie eine hochempfindliche Kopierstation. Jeder Abdruck erzählt vom Gewicht des Tieres, von seiner Eile oder seiner Gelassenheit. Wer lernen will, diese Spuren zu deuten, braucht Geduld und ein Auge für Details. Oft ist es nicht nur der Abdruck an sich, sondern die Fährte – also die Abfolge der Schritte –, die uns verraten, wer hier entlanghuschte.
Wenn der Wald zum Tatort wird: Spuren lesen für Fortgeschrittene
Stellen Sie sich vor, Sie finden eine Reihe von Abdrücken, die plötzlich im Nirgendwo enden. Oder eine Stelle, an der der Schnee wild aufgewühlt ist. Hier wurde vielleicht ein Schläfchen gehalten oder nach den letzten grünen Halmen unter der weißen Decke gescharrt.
Es ist ein Detektivspiel, das süchtig macht. Man beginnt, die Welt mit den Augen der Waldbewohner zu sehen. Wo bietet das Gelände Schutz? Wo ist der Wind am schwächsten?
Welche Spuren hinterlassen Rehe?

Kommen wir zum Protagonisten unserer Winterwanderung. Das Reh (Capreolus capreolus) ist ein Zehenspitzengänger, ein Ästhet der Fortbewegung. Aber welche Spuren hinterlassen Rehe konkret, damit wir sie nicht mit einem Wildschwein oder dem Nachbarshund verwechseln?
Das markanteste Merkmal der Rehspuren ist die Form der Schalen. Ein Reh hat zwei Hauptzehen (Schalen), die im Abdruck meist wie zwei schmale, vorne spitz zulaufende Ovale aussehen. Diese bilden zusammen eine Herzform, die nach vorne offen ist.
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Größe: Die Abdrücke sind meist etwa 4 bis 5 Zentimeter lang und 3 Zentimeter breit.
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Die „Geäfter“: Hinter den Hauptschalen sitzen die sogenannten Afterklauen. Im normalen Schritt eines Rehs sieht man diese beim Tier fast nie – im Gegensatz zum Wildschwein, bei dem sie fast immer mit abgedrückt werden. Nur wenn das Reh flüchtet oder der Schnee sehr tief und weich ist, zeichnen sich diese kleinen Punkte hinter dem Hauptabdruck ab.
Werden sich Rehe im Schnee bewegen?
Eine berechtigte Frage, wenn man die eisige Kälte spürt: Werden sich Rehe im Schnee bewegen? Die Antwort ist ein klares Ja, aber mit Strategie. Rehe sind Energiesparmeister.
Im Winter schalten sie ihren Stoffwechsel einen Gang runter. Jede unnötige Bewegung kostet wertvolle Kalorien, die bei der kargen Nahrungssuche nur schwer wieder reinzuholen sind.
Trotzdem müssen sie fressen. Sie ziehen oft auf denselben Pfaden – den sogenannten Wechseln – durch ihr Revier. Diese Spuren im Schnee sind dann oft tief ausgetreten. Wenn die Schneedecke zu hoch wird, wird es für das Reh kritisch.
Es muss die Beine hoch heben, was enorm viel Kraft kostet. In solchen Zeiten suchen sie Schutz unter dichten Fichten- oder Tannenbeständen, wo weniger Flocken den Boden erreichen. Dort findet man dann oft „Betten“ – Stellen, an denen der Schnee weggeschmolzen oder plattgedrückt ist, weil ein Reh dort geruht hat.
Rehspuren im Vergleich: Wer war noch hier?
Oft stehen wir vor einem Rätsel, weil der Schnee verweht oder leicht angetaut ist. Dann verschwimmen die Konturen.
Plötzlich sieht ein einfacher Abdruck aus wie ein Monster. Um Rehspuren sicher zu identifizieren, hilft der Vergleich mit anderen Bewohnern des Reviers.
Wie sehen Waschbärenspuren im Schnee aus?
Ein häufiger Verwechslungskandidat für Laien ist der Waschbär, auch wenn sein Gangbild völlig anders ist. Wie sehen Waschbärenspuren im Schnee aus? Ganz anders als die Hufe des Rehs! Der Waschbär hinterlässt Pfotenabdrücke, die fast wie kleine menschliche Hände aussehen.
Er hat fünf lange Zehen mit Krallen, die sich deutlich in den Matsch oder Schnee graben. Während das Reh „sticht“ (die Schalen tief in den Boden drückt), setzt der Waschbär seine Sohle flach auf. Ein Blick auf die Anzahl der Zehen klärt das Rätsel sofort: Zwei Schalen beim Reh, fünf Finger beim Waschbären.
Der Fuchs und der Hase: Ein Tanz in Weiß
Neben den Rehspuren finden wir oft die „Schnür fährte“ des Fuchses. Der Fuchs setzt seine Pfoten fast perfekt in einer geraden Linie voreinander – als würde er auf einem unsichtbaren Seil tanzen.
Der Feldhase hingegen hinterlässt ein charakteristisches Y-Muster: Die großen Hinterpfoten landen vor den kleinen Vorderpfoten, weil er sich im Sprung quasi selbst überholt.
Spuren im Schnee deuten: Die Kunst der Beobachtung

Wenn Sie das nächste Mal Spuren im Wald finden, halten Sie kurz inne. Schauen Sie sich nicht nur den einzelnen Abdruck an. Verfolgen Sie die Fährte ein Stück mit den Augen (ohne sie zu zertreten!).
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Der Abstand: Sind die Abdrücke weit auseinander? Das Tier war im Galopp oder auf der Flucht.
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Die Tiefe: Ist der Abdruck vorne tiefer als hinten? Hier wurde beschleunigt.
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Die Schleifspuren: Wenn die Beine durch den Schnee schleifen, spricht man von „Schranken“. Das passiert oft bei tiefem Puderzucker-Schnee.
Die Rehspuren im Schnee zu lesen bedeutet, eine Verbindung zur Natur aufzubauen, die über das bloße Anschauen hinausgeht.
Es ist ein stiller Dialog. Man versteht, wo das Tier nach Knospen gesucht hat, wo es verharrte, um die Witterung aufzunehmen, und wo es sich vielleicht vor einem Hund oder Wanderer in die Dickung geflüchtet hat.
Schutz der Wildtiere: Respekt vor der Fährte
So faszinierend es ist, den Rehspuren zu folgen, so wichtig ist der Naturschutz. Der Winter ist für Wildtiere eine Zeit des Überlebenskampfes. Jedes Mal, wenn ein Reh aufgeschreckt wird und flüchten muss, verbraucht es Energie, die es vielleicht für die kalte Nacht gebraucht hätte.
Bleiben Sie daher bitte auf den Wegen, auch wenn die Tierspuren im Schnee noch so verlockend in den dichten Forst führen. Mit einem guten Fernglas lassen sich die Fährten oft wunderbar aus der Distanz studieren. Beobachten heißt auch, die Grenzen des Tieres zu respektieren.
Zusammenfassung für Reh Spuren im Schnee:
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Achten Sie auf die Herzform: Zwei spitze Schalen ohne Afterklauen sind typisch für das Reh.
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Suchen Sie nach Wechseln: Rehe nutzen oft dieselben Pfade.
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Unterscheiden Sie: Schalenwild (Reh, Hirsch) hat Hufe; Raubwild (Fuchs, Waschbär) hat Pfoten mit Ballen.
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Ruhe bewahren: Genießen Sie die Stille und stören Sie die Bewohner nicht in ihrer Winterruhe.
Der Winter ist nicht tot. Er ist nur leiser. Und die Rehspuren im Schnee sind die Autogramme der Natur, die uns daran erinnern, dass unter der frostigen Oberfläche das Leben geduldig auf den Frühling wartet.
Packen Sie sich warm ein, nehmen Sie eine Thermoskanne Tee mit und werden Sie zum Spurensucher in Ihrem eigenen kleinen Wintermärchen.





