Wandern

Allein auf Tour: Wer weiß eigentlich, wo du gerade bist?

Samstag, kurz nach sieben, ein fast leerer Wanderparkplatz im Allgäu. Du schnürst die Stiefel, der Kaffee aus der Thermoskanne dampft, und vor dir liegt ein Tag ohne Absprachen und ohne Tempo, das jemand anders vorgibt. Allein unterwegs zu sein hat seinen eigenen Reiz. Zu Hause weiß man allerdings nur, dass du „irgendwo in den Bergen“ bist. Was passiert, wenn du am Nachmittag im Nebel an einer steilen Stelle festsitzt und das Knie nicht mehr mitmacht? Wer merkt das, und wie lange dauert es, bis dich jemand findet?

Warum so viele Wanderer unverletzt gerettet werden

Die meisten Notlagen in den Bergen beginnen unspektakulär. Man verläuft sich, der Weg wird steiler als gedacht, das Wetter dreht oder die Kräfte reichen nicht bis zur Hütte. Der Deutsche Alpenverein hat im Mai 2025 die Zahlen der Nachbarländer zusammengefasst, und sie zeigen eine deutliche Entwicklung. In Österreich wurden 2024 insgesamt 4.366 Personen unverletzt aus den Bergen geborgen, während das Zehnjahresmittel bei 3.767 liegt. Aus der Schweiz meldet der Alpenclub für den Sommer 2024 fast 30 Prozent mehr unverletzte Rettungen als im Vorjahr, meist wegen Erschöpfung oder weil jemand weder vor noch zurück kam.

Die Bergwacht Bayern beobachtet ähnliches und nennt einen Grund, der nachdenklich macht. Viele Wanderer folgen GPS-Tracks aus dem Internet, ohne zu prüfen, ob die Route zu ihnen und zu den aktuellen Bedingungen passt. In der Gruppe fängt man so einen Fehler oft noch auf. Wer allein geht, hat dagegen niemanden, der umdrehen, Hilfe holen oder die Lage von außen einschätzen kann.

Was zu Hause bleiben sollte, bevor du losgehst

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Die wichtigste Ausrüstung für Solotouren kostet nichts. Hinterlasse bei einer Person deines Vertrauens einen kurzen Tourenplan mit Startpunkt, geplanter Route, möglichen Ausweichwegen und der Uhrzeit, zu der du zurück sein willst. Vereinbart dazu eine Frist, nach der sie den Notruf wählt, falls du dich nicht meldest. Das klingt nach Papierkram, spart im Ernstfall aber Stunden, weil die Suche nicht bei der Frage beginnt, in welchem Tal du überhaupt unterwegs warst.

Das Smartphone gehört mit vollem Akku in den Rucksack, am besten zusammen mit einer kleinen Powerbank. In Funklöchern lohnt sich der Flugmodus, weil das Handy sonst ständig nach Netz sucht und Energie verbraucht. Der Euro-Notruf 112 funktioniert auch dann, wenn dein eigener Anbieter keinen Empfang hat und nur ein anderes Netz erreichbar ist.

Wenn du nicht mehr erklären kannst, wo du bist

Ein Anruf hilft nur, wenn du deinen Standort beschreiben kannst. Im Nebel, unter Schmerzen oder nach einem Sturz fällt genau das schwer. Viele teilen deshalb vor dem Start ihren Live-Standort per Messenger mit Freunden. Das funktioniert gut, solange das Handy Akku hat und griffbereit ist, doch nach einem Sturz liegt es oft tief im Rucksack oder irgendwo zwischen den Steinen. Aus diesem Grund setzen immer mehr Alleingänger auf kleine Personenalarme, die ihre Position selbst übermitteln. Beim schwedischen Hersteller MiniFinder wiegt ein solches Gerät etwa 40 Gramm und ist nach IP67 gegen Staub und Wasser geschützt. Ein Druck auf die SOS-Taste schickt deine Position an hinterlegte Kontakte und öffnet eine Sprechverbindung. Registriert der Sensor einen Sturz, löst er den Alarm sogar automatisch aus.

Auch diese Technik braucht allerdings Mobilfunk, und in manchen tiefen Tälern gibt es schlicht keinen. Für diesen Fall lohnt es sich, das alpine Notsignal zu kennen. Du gibst sechsmal pro Minute ein Zeichen mit Pfeife, Rufen oder Licht, wartest eine Minute und wiederholst das Ganze. Wer dich gehört hat, antwortet dreimal pro Minute.

Keine dieser Maßnahmen nimmt einer Solotour ihren Reiz. Die Stille am Grat, das eigene Tempo und der Kaffee am Parkplatz bleiben genau so, wie du sie magst. Der Unterschied liegt darin, dass jemand weiß, wo du bist, und dass im Ernstfall nicht erst lange gesucht werden muss.

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