Mitte Oktober ist für viele die Outdoor-Saison beendet. Die Wanderschuhe stehen im Keller, das Zelt trocknet auf dem Dachboden, und nach der Zeitumstellung Ende Oktober wird es draußen schon am Nachmittag spät dunkel. Im Dezember steht die Sonne in Norddeutschland bereits gegen 16 Uhr. Für all jene, die gerne planen, tüfteln und mit ihren Händen arbeiten, entsteht jetzt eine Lücke.
Warum sich ein Indoor-Projekt im Herbst anbietet
Pflanzen brauchen vier Dinge: Licht, Wasser, Nährstoffe und ein passendes Klima. Draußen gibt die Natur davon im Winter viel zu wenig. In einem geschlossenen System lassen sich alle vier Faktoren beeinflussen, egal ob es draußen stürmt oder friert.
Geeignet sind viele Pflanzen. Kräuter wie Basilikum, Petersilie oder Koriander wachsen unter Kunstlicht problemlos. Microgreens sind nach sieben bis vierzehn Tagen erntereif. So lassen sich Chilis überwintern oder schon im Januar für die nächste Saison vorziehen. Und seit dem 1. April 2024 dürfen Erwachsene in Deutschland bis zu drei Cannabispflanzen in der eigenen Wohnung für den Eigenbedarf anbauen.
Zur Grundausstattung gehören in der Regel ein Growzelt, eine Pflanzenleuchte, ein Abluftsystem mit Filter und allerlei Zubehör wie Töpfe, Erde, Messgeräte usw. Wer nicht jede dieser Komponenten selber auswählen und auf ihre Verträglichkeit testen möchte, kann sich auch an Komplettsets für Indoor-Grow halten, bei denen Lichtstärke und Belüftung bereits zur Zeltgröße passen. Die Zahl der Fehlerquellen wird damit gerade für den Einstieg erheblich verringert.
Licht: Die Kennzahl, auf die es ankommt
Licht für Pflanzen wird nicht nur nach Wattzahl bemessen. Entscheidend ist, wie viel photosynthetisch verwendbares Licht in Wahrheit auf den Blättern ankommt. Fachbegriff dafür ist die PPFD (Photosynthetic Photon Flux Density), angegeben in Mikromol pro Quadratmeter und Sekunde.
Die wichtigsten Richtwerte:
- Keimlinge und Stecklinge: 200 bis 400 µmol/m²/s
- Wachstumsphase: 400 bis 600 µmol/m²/s
- Blüte und Fruchtbildung: 600 bis 900 µmol/m²/s
Moderne LED-Leuchten erreichen um 2,5 bis 3 µmol pro Joule, ältere Natriumdampflampen erreichen meist unter 2 µmol/J und erwärmen viel stärker. Beim Kauf lohnt auf jeden Fall ein Blick ins Datenblatt, seriöse Hersteller geben PPFD-Messwerte für Flächen und Hängehöhen an.
Nicht zu vergessen ist die Beleuchtungsdauer. Kräuter kommen mit 14 bis 16 Stunden Licht täglich aus, photoperiodische Pflanzen wie Cannabis werden in der Wachstumsphase meist mit 18 Stunden Licht und 6 Stunden Dunkelheit versorgt, zur Blüte wird mit einem Rhythmus von 12 zu 12 Stunden übergegangen. Dies erledigen einfache Zeitschaltuhren zuverlässig.
Klima im Zelt: Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Abluft

Die meisten Probleme beim Indoor-Anbau entstehen nicht durch falsches Gießen, sondern durch stehende, feuchte Luft. Schimmel und Schädlinge fühlen sich dort pudelwohl. Die meisten Kulturpflanzen möchten bei 20 bis 28 Grad gedeihen. Bei Jungpflanzen sollte die relative Luftfeuchtigkeit etwa 65 bis 70 Prozent betragen, in der Wachstumsperiode 50 bis 60 Prozent und in der Blüte 40 bis 50 Prozent. Ambitionierte Züchter orientieren sich am VPD-Wert (Vapor Pressure Deficit), mit dem Temperatur und Luftfeuchtigkeit gekoppelt werden. Ein Wert von 0,8 bis 1,2 kPa ist für die meisten Phasen gut.
Die Abluft kann man überschlägig berechnen. Ein Zelt von 80 mal 80 mal 160 Zentimetern hat etwa ein Volumen von einem Kubikmeter. Wenn die Luft einmal pro Minute ausgetauscht werden soll, macht das 60 Kubikmeter pro Stunde. Da ein Aktivkohlefilter und Schläuche Leistung kosten, veranschlagt man etwa 30 bis 50 Prozent Puffer. Für diese Größe tut es ein Lüfter mit 100 bis 150 Kubikmetern pro Stunde, am besten drehzahlgeregelt. Ein kleiner Umluftventilator im Zelt sorgt dafür, dass sich keine Feuchtigkeit an den Blättern staut.
Strom, Sicherheit und rechtlicher Rahmen
Ein Indoor-Garten ist ein elektrisches System in der Nähe von Wasser. Steckdosenleisten gehören also nicht auf den Zeltboden, Kabel sind zugentlastet zu verlegen. Geräte mit CE-Kennzeichnung und eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung im Stromkreis erhöhen die Sicherheit.
Die Kosten halten sich in Grenzen. Eine 150-Watt-LED, die 12 Stunden täglich läuft, braucht 1,8 Kilowattstunden. Bei 35 Cent pro Kilowattstunde sind das 63 Cent pro Tag, plus ein paar Cent für den Lüfter.
Für den Cannabisanbau gibt es klare Vorgaben aus dem Konsumcannabisgesetz. Insbesondere dürfen am Wohnsitz einer volljährigen Person höchstens drei Pflanzen stehen. Diese Pflanzen und die Ernte sind vor dem Zugriff von Kindern, Jugendlichen und dritten Personen zu schützen, was mit einem abschließbaren Zelt oder einem separaten Raum gut möglich ist. In Mietwohnungen kann Geruch ein Thema werden. Ein richtig dimensionierter Aktivkohlefilter tut dies in aller Regel, und im Mietvertrag sollte auch etwas darüber stehen.





