23 Grad, blauer Himmel, während zur gleichen Zeit in Hamburg der Nieselregen gegen die Fenster trommelt. Genau das ist der Punkt, den viele bei der Frage nach der besten Reisezeit für Griechenland übersehen: Der Herbst ist hier keine Übergangszeit, sondern in manchen Regionen fast eine zweite Sommersaison.
Kreta – vor allem die Südküste rund um Ierapetra – und Rhodos teilen sich regelmäßig den Titel als wärmste griechische Insel im November. Beide kommen auf Durchschnittswerte von 20 bis 21 °C, an geschützten Südküstenorten Kretas sind an sonnigen Tagen sogar 23 bis 24 °C drin. Das Meer bleibt mit rund 21 °C erstaunlich warm – wärmer sogar als im Frühling.
Warum ausgerechnet Kreta und Rhodos im Rennen um den wärmsten Fleck liegen
Wer sich Klimatabellen griechischer Inseln anschaut, merkt schnell: Es gibt ein Süd-Nord-Gefälle, das im November besonders deutlich wird. Korfu im Nordwesten kämpft dann schon mit 12 und mehr Regentagen im Monat, während Kreta und Rhodos nur 6 bis 8 Regentage verzeichnen. Das ist kein Zufall, sondern Geografie: Beide Inseln liegen deutlich südlicher und näher am afrikanischen Kontinent als der Rest Griechenlands.
Diese Nähe bringt im Spätherbst einen Effekt mit sich, den viele Griechenland-Fans gar nicht auf dem Schirm haben – den Sirocco, auch Notios genannt.
Warme Winde aus südlicher Richtung schieben milde Luft über die südägäischen Inseln, während der Norden des Landes, etwa rund um Thessaloniki, längst im Herbstmodus angekommen ist. Für Athen als Städtereise-Ziel bedeutet das ebenfalls angenehme, aber spürbar kühlere Temperaturen als auf den südlichen Inseln.
Warum ist das Meer im November wärmer als im Mai?
Ein Fakt, der auf den ersten Blick kontraintuitiv wirkt: Das Wasser ist im November mit rund 21 °C tatsächlich wärmer als im Mai mit nur 18 bis 19 °C. Der Grund liegt in der Trägheit des Meeres. Wasser speichert Wärme über Monate und gibt sie nur sehr langsam wieder ab.
Der Sommer erhitzt das Mittelmeer bis in den September hinein – die eigentliche „Abkühlphase“ beginnt erst richtig im Dezember. Für einen Badeurlaub in Griechenland heißt das: November schlägt Frühling, zumindest was die Wassertemperatur angeht. Wer also zwischen Frühling in Griechenland und Spätherbst schwankt, sollte diesen Punkt nicht unterschätzen.
Kreta oder Rhodos – wärmste griechische Insel im November

Beide Inseln liefern im direkten Vergleich fast identische Zahlen: Rhodos kommt auf 20 bis 22 °C Lufttemperatur, im frühen November sind vereinzelt auch 23 °C drin. Kreta zieht an geschützten Südküstenorten nochmal leicht vorbei. Die Sonnenscheindauer liegt auf beiden Inseln bei durchschnittlich 6 Stunden täglich – nicht Hochsommer-Niveau, aber deutlich mehr, als die meisten im November erwarten.
Der eigentliche Unterschied liegt woanders: im Charakter der Reise.
Kreta im November: Olivenernte statt Strandliegen
Wer im November nach Kreta reist, erlebt die Insel in einem Modus, den Sommertouristen nie zu Gesicht bekommen. Der Monat markiert traditionell den Start der Olivenernte und der Kazania – dem Brennen von Raki, dem lokalen Tresterbrand, auch Tsikoudia genannt.
In den Dörfern der Südküste stehen dann die improvisierten Brennstationen, es riecht nach gekochtem Traubentrester, und wer Glück hat, wird spontan zu einem Glas eingeladen. Das ist kein inszeniertes Touristenerlebnis, sondern gelebter Alltag – und genau das macht für mich als jemanden, der beide Reisezeiten kennt, den eigentlichen Reiz aus. Kreta im November fühlt sich authentischer an als Kreta im Juli.
Rhodos im November: Ruhe an einer der beliebten griechischen Inseln
Rhodos punktet im Herbst mit einem anderen Vorteil: Die Insel gehört zu den beliebten griechischen Inseln, die im Sommer aus allen Nähten platzen – im November dagegen wird es angenehm leer.
Die Altstadt von Rhodos-Stadt, eine der bekanntesten Attraktionen der gesamten Ägäis, lässt sich ohne Menschentrauben erkunden. Wer schon mal versucht hat, im August durch die Gassen der Ritterstadt zu navigieren, weiß, was das wert ist.
Was das für deine Reiseplanung konkret bedeutet
Griechenland baut den Ganzjahrestourismus auf genau diesen beiden Inseln inzwischen gezielt aus – nicht ohne Grund. Der November etabliert sich zunehmend als Trendmonat für eine bestimmte Zielgruppe: Wanderer, digitale Nomaden und Aktivurlauber, die dem mitteleuropäischen Herbstgrau entkommen wollen, ohne gleich einen Langstreckenflug zu buchen.
Praktisch heißt das:
- Für Wanderungen ist November nahezu ideal – die sommerliche Hitze ist weg, aber es ist noch warm genug für T-Shirt-Wetter am Nachmittag.
- Für digitale Nomaden bedeutet die stabile Grundtemperatur, dass man draußen arbeiten kann, ohne in der Mittagssonne zu schmelzen.
- Für Badeurlauber ist die Wassertemperatur der eigentliche Trumpf – 21 °C sind zum Schwimmen völlig ausreichend, gerade für alle, die sowieso kein Fan von Pool-warmem Hochsommerwasser sind.
Wer sich fragt, wann die beste Reisezeit für Griechenland insgesamt ist, bekommt damit eine differenziertere Antwort, als es die gängigen Ratgeber meist liefern: Es kommt massiv darauf an, was du suchst. Für einen klassischen Strandurlaub mit Partyfaktor bleibt der Hochsommer unangefochten.
Für mildes, sonniges Wetter mit wenig Regen, warmem Meer und deutlich weniger Touristen ist der November auf Kreta oder Rhodos eine der unterschätztesten Optionen im ganzen Land.
Kurzer Blick auf die Nachbarmonate
Wer seine Reise flexibel timen kann, profitiert übrigens auch im Oktober und September von ähnlichen Effekten. Die wärmste griechische Insel im Oktober ist meist ebenfalls Kreta oder Rhodos, oft sogar noch mit spürbar höheren Werten als im November.
Und die wärmste griechische Insel im September liegt fast durchgängig bei Kreta, dort setzt sich die Sommerhitze in abgeschwächter Form noch bis in den Frühherbst fort. Wer also die Wahl hat: Je früher im Herbst, desto näher am Sommergefühl – der November ist dabei so etwas wie der letzte Ausläufer, bevor der Winter in Griechenland allmählich Einzug hält.
Kos, ebenfalls oft in Klimatabellen für die südliche Ägäis genannt, liegt im November leicht hinter Kreta und Rhodos zurück, bleibt aber ebenfalls eine solide Option für alle, die weniger überlaufene Alternativen zu den beiden Platzhirschen suchen.
Ein Rat zum Schluss für den November in Griechenland
Wenn du im November nach Griechenland willst, lohnt es sich, nicht nur auf die Durchschnittstemperatur zu schauen, sondern auf das, was der Monat sonst noch bietet: leere Strände, laufende Olivenernte, Raki-Duft in den Dörfern und ein Meer, das noch die Wärme des Sommers in sich trägt.
Genau diese Kombination aus Klima und Timing macht Kreta und Rhodos im Spätherbst zu einem der spannendsten Ziele im ganzen Mittelmeerraum – lange bevor der große Ansturm der Sommersaison wieder losgeht.





